Rund zehn Jahre lang war TrueCrypt das Programm für kostenlose Festplattenverschlüsselung, und viele haben bis heute TrueCrypt-Container auf alten Festplatten und USB-Sticks. Die Entwicklung endete 2014, doch spätestens wenn eine alte .tc-Datei auftaucht, stellt sich die Frage: Wie komme ich wieder an die Daten?
- TrueCrypt ist eingestellt: Die letzte vollwertige Version 7.1a stammt von 2012, die Entwicklung endete 2014.
- Die Verschlüsselung hat standgehalten: Die Audits fanden keine Hintertüren, aber zwei Treiberlücken von 2015 bleiben offen.
- Alte Container sind so sicher wie ihr Passwort. Auf einem aktuellen PC sollten Sie TrueCrypt nicht mehr betreiben.
- Alte Volumes öffnen: mit VeraCrypt 1.25.9 (nicht neuer) oder Cryptic Disk, danach die Daten in einen neuen Container verschieben.
Was ist mit TrueCrypt passiert?
TrueCrypt verschlüsselte Partitionen, Laufwerke und Container-Dateien (eine Datei, die als virtuelles Laufwerk eingebunden wird) unter Windows, macOS und Linux. Die letzte vollwertige Version 7.1a erschien im Februar 2012.
Am 28. Mai 2014 leitete die offizielle Website plötzlich auf eine SourceForge-Seite um. Dort steht bis heute die Warnung, TrueCrypt sei nicht sicher, weil es ungepatchte Sicherheitslücken enthalten könne. Die anonymen Entwickler veröffentlichten Version 7.2, die nur noch entschlüsseln kann, empfahlen Windows-Nutzern BitLocker und nannten nie Gründe. Laut der Seite soll man TrueCrypt nur noch herunterladen, um Daten zu migrieren. Seitdem gab es keine Updates.
Was die Audits ergeben haben
Das Open Crypto Audit Project finanzierte per Crowdfunding eine unabhängige Prüfung des Codes, später folgten weitere Studien.
Ist TrueCrypt 7.1a im Jahr 2026 noch sicher?
Alte Container im Schrank sind so sicher wie das Passwort, das Sie damals gewählt haben: Ein praktischer Angriff auf die Verschlüsselung von TrueCrypt ist nicht veröffentlicht. TrueCrypt auf einem aktuellen Rechner zu betreiben, ist etwas anderes.
Warum Sie TrueCrypt heute nicht mehr betreiben sollten:
- Bekannte Lücken bleiben offen. Solange der TrueCrypt-Treiber installiert ist, kann ein Programm oder Benutzer mit eingeschränkten Rechten die öffentlichen Lücken von 2015 nutzen, um mehr Rechte zu bekommen.
- Keine Updates seit 2012. Windows 10 und 11 haben strengere Regeln für Kernel-Treiber. Legt ein Update oder eine Sicherheitsfunktion den TrueCrypt-Treiber lahm, behebt das niemand.
- Keine Systemverschlüsselung auf modernen PCs. Nur im alten BIOS-Modus, ohne UEFI, das Windows 11 voraussetzt.
- Unsichere Downloads. Offiziell gibt es nur die Entschlüsselungsversion 7.2. Version 7.1a stammt von Drittseiten, und ob die Datei unverändert ist, müssen Sie selbst prüfen.
Unsere Empfehlung: Legen Sie keine neuen TrueCrypt-Volumes mehr an. Öffnen Sie die alten einmal mit einem gepflegten Programm, kopieren Sie die Daten in einen neuen verschlüsselten Container und legen Sie die TrueCrypt-Dateien still. Sie suchen ein Werkzeug für die Zukunft? Dann hilft unser Vergleich von Verschlüsselungssoftware für Windows.
So öffnen Sie alte TrueCrypt-Volumes heute
Aktuelle VeraCrypt-Versionen öffnen keine TrueCrypt-Volumes mehr. Der TrueCrypt-Modus wurde in Version 1.26.7 (Oktober 2023) entfernt. Laut den offiziellen Versionshinweisen brauchen Sie VeraCrypt 1.25.9 (Februar 2022). Auch das ist eine alte Version: Nutzen Sie sie für die Migration und aktualisieren Sie danach.
Konvertieren in VeraCrypt 1.25.9: Ändern Sie bei aktivierter Option „TrueCrypt Mode“ den Algorithmus zur Schlüsselableitung im Header auf SHA-512. Nur das Passwort zu ändern reicht nicht: TrueCrypt-Volumes nutzen oft RIPEMD-160, das aktuelle VeraCrypt-Versionen nicht mehr unterstützen. Das funktioniert für Volumes ab TrueCrypt 6.0, nicht für eine mit TrueCrypt verschlüsselte Systempartition. Benennen Sie den Container danach von .tc in .hc um, damit neuere VeraCrypt-Versionen ihn erkennen, und prüfen Sie, ob er sich im aktuellen VeraCrypt einbinden lässt, bevor Sie etwas löschen. Ein verstecktes Volume darin wird separat mit seinem eigenen Passwort konvertiert, und bis sich beide im aktuellen VeraCrypt öffnen lassen, behalten Sie eine Sicherungskopie des Containers. Ist Ihnen VeraCrypt zu technisch? Hier finden Sie eine VeraCrypt-Alternative für normale Anwender.
Einschränkung von Cryptic Disk: Viele Zusatzoptionen funktionieren nur mit Volumes im eigenen Format, nicht mit TrueCrypt-Volumes. Ein Grund mehr, die Daten in einen neuen Container zu verschieben. Details auf der Seite zur TrueCrypt-Unterstützung.
Schritt für Schritt: TrueCrypt-Container in Cryptic Disk öffnen und Daten umziehen
Alten Container einbinden
Laden Sie es von der Download-Seite herunter.
Wählen Sie im Hauptfenster den TrueCrypt-Container. Er hat oft die Endung .tc, der Name spielt aber keine Rolle.

Falls Sie bei TrueCrypt Schlüsseldateien genutzt haben, fügen Sie diese ebenfalls hinzu.

Der Container erscheint im Datei-Explorer, und das Hauptfenster kennzeichnet ihn als TrueCrypt.

Eine mit TrueCrypt verschlüsselte Partition oder externe Festplatte erscheint in der Laufwerksliste des Hauptfensters. Klicken Sie sie mit der rechten Maustaste an, starten Sie das Einbinden und geben Sie das Passwort genauso ein.
Daten in einen neuen Container verschieben
Wählen Sie Speicherort und Größe der Datei: größer als die Daten, mit Reserve. „Erweiterbare Dateigröße“ funktioniert nur auf NTFS-Laufwerken.

Wählen Sie ein Dateisystem und lassen Sie die Verschlüsselungseinstellungen auf dem Standard, wenn Sie keinen Grund zur Änderung haben. Cryptic Disk leitet den Schlüssel absichtlich langsam ab (1 bis 10 Sekunden pro Versuch), was das Durchprobieren von Passwörtern stark erschwert.
Schließen Sie den Assistenten ab, bewahren Sie die Sicherungskopie des Headers getrennt vom Container auf und binden Sie den neuen Container unter einem anderen Buchstaben ein.
Kopieren Sie alle Dateien in den neuen Container und öffnen Sie zur Kontrolle einige wichtige daraus.
Löschen Sie den alten Container erst, wenn Sie sicher sind, dass alles kopiert wurde.
Alle Seiten des Assistenten erklärt die Anleitung Wie erstellt man einen verschlüsselten Container.
Eine komplett mit TrueCrypt verschlüsselte externe Festplatte? Kopieren Sie die Daten an einen anderen verschlüsselten Ort, trennen Sie das Laufwerk, verschlüsseln Sie es mit Cryptic Disk (mit Formatierung) und kopieren Sie die Daten zurück. Siehe Festplatte verschlüsseln.
Und wenn Windows selbst mit TrueCrypt verschlüsselt ist?
Der schwierigste Fall: VeraCrypt kann eine TrueCrypt-Systempartition nicht konvertieren, und Cryptic Disk verschlüsselt Systempartitionen grundsätzlich nicht. Die offizielle TrueCrypt-Seite beschreibt den Ausweg:
- Erstellen Sie eine vollständige Sicherung.
- Entschlüsseln Sie das Systemlaufwerk dauerhaft in TrueCrypt selbst.
- Schützen Sie es danach mit einem gepflegten Werkzeug wie BitLocker (Windows Pro, Enterprise, Education) oder VeraCrypt und legen Sie persönliche Dateien auf eine verschlüsselte Datenpartition oder in einen Container.
Gibt es TrueCrypt für Android?
Nein, nur für Windows, macOS und Linux. Einige Android-Apps von Drittanbietern öffnen TrueCrypt-Container (zum Beispiel EDS von sovworks), die kostenlose Version EDS Lite wird aber nicht mehr weiterentwickelt (letzte Version von 2021). Wir haben diese Apps nicht getestet und würden ihnen nicht die einzige Kopie Ihrer Daten anvertrauen. Auch Cryptic Disk läuft nicht unter Android: Verschieben Sie die Daten an einem Windows-PC.
FAQ
Kann man TrueCrypt noch herunterladen?
Offiziell nur Version 7.2, die Volumes entschlüsseln, aber nicht erstellen kann; 7.1a gibt es nur auf Drittseiten. Um an Ihre Dateien zu kommen, brauchen Sie TrueCrypt nicht: VeraCrypt 1.25.9 oder Cryptic Disk reichen aus.
Öffnet das aktuelle VeraCrypt noch TrueCrypt-Container?
Nein, der TrueCrypt-Modus wurde in VeraCrypt 1.26.7 entfernt. Nutzen Sie 1.25.9 oder öffnen Sie das Volume in Cryptic Disk.
Muss TrueCrypt installiert sein, damit Cryptic Disk alte Volumes öffnet?
Nein. Cryptic Disk bindet sie selbst ein und erkennt das Format. Sie brauchen nur das Passwort und gegebenenfalls die Schlüsseldateien.
Ich habe mein TrueCrypt-Passwort vergessen. Lassen sich die Daten retten?
Nein. Es gibt keine Hintertür, nur Raten, und ein langes Passwort zu erraten dauert zu lange. Mehr dazu: Lassen sich verschlüsselte Dateien knacken?
Ist die Verschlüsselung von TrueCrypt geknackt?
Ein praktischer Angriff ist nicht veröffentlicht, und die Audits von 2015 fanden keine Hintertüren. Das Risiko liegt im nicht mehr gepflegten Programm: bekannte Treiberlücken und keine Updates.
Die 30-tägige Testversion ist nicht eingeschränkt: Prüfen Sie vor dem Kauf, ob sich Ihre Volumes öffnen lassen. Windows 11, 10, 8.1, 8, 7, Vista und XP.
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